Zum International Women’s Day 2026 haben wir eine LinkedIn Live Diskussion ausgerichtet, die sich mit den Auswirkungen von KI auf Führung, Fähigkeiten und Organisationsstrukturen beschäftigte.
Unter der Moderation von Julia Barber, Director, Renovata diskutierten Catherine Alani, Chief Operating Officer Jigsaw, Caroline Gorski, Co-founder, Cerestrial LLP Group und Natalie Seatter, Chief Data & AI Officer, HBX Group.
Jenseits von Produktivität: Es geht um Macht
Die Debatte rund um KI wird häufig über Effizienz und Produktivität geführt. Im Gespräch wurde jedoch eine andere Entwicklung sichtbar: eine stille, aber grundlegende Verschiebung von Macht innerhalb von Organisationen.
KI verändert nicht nur Prozesse, sondern auch Entscheidungslogiken, Einflussstrukturen und die Art, wie Führung ausgeübt wird. Diese Veränderung vollzieht sich oft unter der Oberfläche – wird aber zunehmend spürbar.
Führung zwischen Gewissheit und Zweifel
Mit der Technologie wächst der Druck auf Führungskräfte, Orientierung zu geben – häufig schneller, als echtes Verständnis entstehen kann.
Während einige Organisationen auf Offenheit und gemeinsames Lernen setzen, reagieren andere mit Tempo, vermeintlicher Sicherheit und dem Drang, Komplexität zu reduzieren. Der Unterschied ist kulturell, nicht technologisch.
Dabei entsteht eine zentrale Spannung: In Zeiten des Wandels wird Selbstsicherheit leicht mit Kompetenz verwechselt. Doch gerade diejenigen Führungskräfte, die Unsicherheit zulassen und Raum für gemeinsames Verstehen schaffen, wirken nachhaltiger. Der Anspruch, „AI-ready“ zu erscheinen, droht zentrale Fragen zu Governance, Risiko und langfristigem Kompetenzaufbau zu verdrängen.
Wenn die erste Karrierestufe verschwindet
Besonders deutlich wurde die Veränderung im Umgang mit Nachwuchstalenten.Viele der Aufgaben, die aktuell automatisiert werden, waren bislang mehr als operative Routine. Sie bildeten die Grundlage für Erfahrung und Urteilsvermögen. Wer sie durchläuft, baut Erfahrungswissen auf – und damit die Basis für spätere Entscheidungen.
Wenn diese Ebene wegfällt, entsteht ein strukturelles Problem: Organisationen gewinnen kurzfristig an Effizienz, riskieren jedoch langfristig, Führung nicht mehr ausreichend entwickeln zu können.
Neue Macht, weniger sichtbar
Hierarchien verschwinden nicht – sie verlagern sich. Einfluss konzentriert sich zunehmend bei denen, die Systeme gestalten, konfigurieren und steuern. Wer definiert, welche Daten genutzt werden, welche Annahmen gelten, und welche Fragen gestellt werden, entscheidet über Ergebnisse.
Diese Form von Macht ist weniger sichtbar als klassische Hierarchien – aber potenziell einflussreicher.
Was bleibt: menschliche Fähigkeiten
Bei aller technologischen Dynamik blieb eines konstant: die zunehmende Bedeutung menschlicher Fähigkeiten. Urteilsvermögen, emotionale Intelligenz, die Fähigkeit zur Einordnung und zum Umgang mit Ambiguität – all das gewinnt an Relevanz. Nicht als Ergänzung zur Technologie, sondern als stabilisierendes Element in einem zunehmend volatilen Umfeld.
Ausblick
Ob sich dieser Moment als wirklich transformativ erweist, wird nicht allein von technologischen Fortschritten abhängen. Entscheidend wird sein, wie Organisationen darauf reagieren – wie sie Führung neu ausrichten, Fähigkeiten entwickeln und ihre Strukturen an eine veränderte Realität anpassen.
Diese Veranstaltung ist Teil des Renovata Eventprogramms, das Führungskräfte zu zentralen Fragen rund um Führung, Transformation und Wertschöpfung zusammenbringt.
Vielen Dank an das Panel für die klaren und differenzierten Perspektiven. Wir freuen uns darauf, den Dialog weiterzuführen.

